Warum musste Gott sich zeigen, damit wir wissen, wie er ist?

Der Mensch kann mit der Vernunft erkennen, dass es Gott gibt, nicht aber, wie Gott wirklich ist. Weil aber Gott gerne erkannt werden möchte, hat er sich geoffenbart.

 Gott musste sich uns nicht offenbaren. Er hat es getan – aus Liebe. Wie man in der menschlichen Liebe nur dann etwas von einem geliebten Menschen wissen kann, wenn er uns sein Herz öffnet, so wissen wir nur darum etwas von den innersten Gedanken Gottes, weil der ewige und geheimnisvolle Gott sich aus Liebe zu uns geöffnet hat. Von der Schöpfung an über die Väter und Propheten bis hin zur endgültigen >Offenbarung in seinem Sohn Jesus Christus hat Gott immer wieder zu den Menschen gesprochen. In ihm hat er uns sein Herz ausgeschüttet und sein innerstes Wesen immer für uns anschaulich gemacht.

Es hat Gott in seiner Güte und Weisheit gefallen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens bekannt zu machen, dass die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und der göttlichen Natur teilhaftig werden.                                                                                                                                          Zweites Vatikanisches Konzil, Dei Verbum (DV)

 Alles Sprechen von Gott hat ein Sprechen Gottes zur Voraussetzung.                                        Hl. Edith Stein (1891-1942, jüdische Christin, Philosophin und Karmelitin, KZ-Opfer)

OFFENBARUNG      

Offenbarung bedeutet: Gott öffnet sich, zeigt sich und spricht zur Welt aus freien Stücken.

Warum leugnen Menschen Gott, wenn sie ihn doch mit ihrer Vernunft erkennen können?

Den unsichtbaren Gott zu erkennen ist eine große Herausforderung für den menschlichen Geist. Viele schrecken davor zurück. Manche wollen auch deshalb Gott nicht erkennen, weil sie dann ihr Leben ändern müssten. Wer sagt, die Frage nach Gott sei sinnlos, weil unlösbar, macht es sich zu einfach.

Der Mensch kann die Wahrheit erkennen. Und der Mensch will sie kennen. Aber die Wahrheit kann nur in der Freiheit erlangt werden. Das gilt für alle Wahrheiten, wie aus der Geschichte der Wissenschaften hervorgeht; aber es trifft in außerordentlicher Weise auf die Wahrheiten zu, in denen der Mensch als solcher auf dem Spiel steht, die Wahrheiten des Geistes: jene Wahrheiten, die das Gute und das Böse, die großen Lebensziele und -perspektiven, die Beziehung zu Gott betreffen. Denn man kann sie nicht erlangen, ohne dass sich daraus tiefgreifende Konsequenzen für die eigene Lebensführung ergeben!                                                                                                                                                                                 Benedikt XVI, 09.01.06

 Was unbegreiflich ist, ist darum nicht weniger wirklich.                                                                      Blaise Pascal

Können wir die Existenz Gottes mit unserer Vernunft erkennen?

Ja. Die menschliche Vernunft kann Gott mit Sicherheit erkennen.  

Die Welt kann ihren Ursprung und ihr Ziel nicht in sich selber haben. In allem, was es gibt, ist mehr, als man sieht. Die Ordnung, die Schönheit und die Entwicklung der Welt weisen über sich selbst hinaus und auf Gott hin. Jeder Mensch ist offen für das Wahre, das Gute und das Schöne. Er hört in sich die Stimme des Gewissens, die ihn zum Guten hindrängt und vor dem Bösen warnt. Wer dieser Spur vernünftig nachgeht, findet Gott.

Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes.                                                                                                                                                   Hl. Albert der Große (um 1200-1280, Dominikaner, Universalgelehrter, Kirchenlehrer und einer der größten Theologen der Kirche)

 Sie (die Menschen) sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.                    Apg 17,27-28a

Warum suchen wir nach Gott?

Gott hat in unser Herz ein Verlangen gelegt, ihn zu suchen und zu finden. Der hl. Augustinus sagt: „Du hast uns auf dich hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Dieses Verlangen nach Gott nennen wir Religion.    

Es ist natürlich für einen Menschen, dass er nach Gott sucht. Sein ganzes Streben nach Wahrheit und Glück ist zuletzt eine Suche nach dem, was ihn absolut trägt, absolut befriedigt, absolut in Dienst nimmt. Ein Mensch ist erst dann ganz bei sich, wenn er Gott gefunden hat. „Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht“ (Hl. Edith Stein)

RELIGION

Unter Religion kann man allgemein eine Beziehung zum Göttlichen verstehen. Ein religiöser Mensch erkennt etwas Göttliches als die Macht an, die ihn und die Welt geschaffen hat, von der er abhängig und auf die er hingeordnet ist. Er will dem Göttlichen durch seinen Lebensstil gefallen und es verehren.

Was hat mein Glaube mit der Kirche zu tun?

Niemand kann für sich allein glauben, so wie auch niemand für sich allein leben kann. Wir empfangen den Glauben von der Kirche und leben ihn in Gemeinschaft mit den Menschen, mit denen wir unseren Glauben teilen.

Der Glaube ist das Persönlichste eines Menschen, aber er ist dennoch keine Privatsache. Wer glauben will, muss sowohl „ich“ als auch „wir“ sagen können, denn ein Glaube, den man nicht teilen und mitteilen kann, wäre irrational. Der einzelne Gläubige gibt seine freie Zustimmung zum „Wir glauben“ der Kirche. Von ihr hat er den Glauben empfangen. Sie war es, die ihn durch die Jahrhunderte zu ihm herübergetragen, vor Verfälschungen bewahrt und immer wieder zum Leuchten gebracht hat. Glauben ist daher Teilnahme an einer gemeinsamen Überzeugung. Der Glaube der anderen trägt mich, wie auch das Feuer meines Glaubens andere entzündet und bestärkt. Das „Ich“ und das „Wir“ des Glaubens betont die Kirche dadurch, dass sie zwei Glaubensbekenntnisse in ihren Gottesdiensten verwendet: Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das mit „Ich glaube“ (>Credo) beginnt, und das Große Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, das in seiner ursprünglichen Form mit „Wir glauben“ (Credimus) eröffnet wurde.

CREDO                                                                                                                                                                 

(lat. credo = Ich glaube): Das erste Wort aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis wurde zum Namen für verschiedene Bekenntnisformeln der Kirche, in denen die wesentlichen Inhalte des Glaubens verbindlich zusammengefasst sind.

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.                                                                                                                                                                                        Mt 18,20

Kein Mensch lebt allein, kein Mensch glaubt allein. Gott spricht sein Wort zu uns, und indem er es spricht, ruft er uns zusammen, schafft er eine Gemeinde, sein Volk, seine Kirche. Nach dem Weggang Jesu ist die Kirche das Zeichen seiner Gegenwart in der Welt.                                                                                                                                                                                          Basilius von Seleukia, 5. Jh., Bischof

Warum geben wir den Glauben weiter?

Wir geben den Glauben weiter, weil Jesus uns aufträgt: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19).

Kein echter Christ überlässt die Weitergabe des Glaubens allein den Spezialisten (Lehrern, Pfarrern, Missionaren). Christ ist man für andere. Das heißt: Jeder echte Christ möchte, dass Gott auch zu den anderen kommt. Er sagt sich: „Der Herr braucht mich! Ich bin getauft, gefirmt und dafür verantwortlich, dass die Menschen in meinem Umfeld von Gott erfahren und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen´“ (1 Tim 2,4). Mutter Teresa hat einen guten Vergleich gebraucht: „Oft kannst du Drähte sehen, die die Straße säumen. Bevor nicht Strom durch sie hindurchfließt, gibt es kein Licht. Der Draht, das sind du und ich! Der Strom ist Gott! Wir haben die Macht, den Strom durch uns hindurchfließen zu lassen und so das Licht der Welt zu erzeugen: JESUS – oder uns zu weigern, gebraucht zu werden. und damit der Dunkelheit zu erlauben, sich auszubreiten.“

So versuchen wir, erfüllt von Ehrfurcht vor dem Herrn, Menschen zu gewinnen …             Die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben.                     2 Kor 5,11a.14a

Es ist dringend notwendig, dass eine neue Generation von Aposteln entsteht, die im Wort Christi verwurzelt sind, in der Lage, eine Antwort zu geben auf die Herausforderungen unserer Zeit und bereit, überall das Evangelium zu verkünden.                                                      Benedikt XVI, 22.02.06.

MISSION                                                                                                                                                           

(lat. missio = Sendung): Mission ist das Wesen der Kirche und der Auftrag Jesu an alle Christen, in Wort und Tat das Evangelium zu verkünden, so dass alle Menschen sich in Freiheit für Christus entscheiden können.

Was ist die Aufgabe der Kirche?

Die Aufgabe der Kirche ist es, das Reich Gottes, das mit Jesus schon begonnen hat, in allen Völkern zum Keimen und Wachsen zu bringen.

Wo Jesus hinkam, berührte der Himmel die Erde: Das Reich Gottes brach an, ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit. Die Kirche dient diesem Reich Gottes. Sie ist kein Selbstzweck. Sie muss weiterführen, was mit Jesus begonnen hat. Sie soll handeln, wie Jesus handeln würde. Sie führt die heiligen Zeichen Jesu (>Sakramente) fort. Sie trägt Jesu Worte weiter. Deshalb ist die Kirche, in all ihrer Schwäche, ein starkes Stück Himmel auf Erden.

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch.                                                                                   Joh 20,21

Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich Euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.                                                                                                                                                                       Mt 28, 19f.

Die Kirche muss sich selbst viel mehr als Sakrament, als Weg und Mittel betrachten, nicht als Ziel und Ende.                                                                                                                                              Alfred Delp SJ, (1907-1945, Theologe und Soziologe, Märtyrer im Nazi-Widerstand)

Die Kirche hat nicht den Auftrag, die Welt zu verändern. Wenn sie aber ihren Auftrag erfüllt, verändert sich die Welt.                                                                                                                            Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker (1912-2007, Atomphysiker und Philosoph)

Wozu will Gott die Kirche?

Gott will die Kirche, weil er uns nicht einzeln, sondern gemeinsam erlösen will. Er will die ganze Menschheit zu seinem Volk machen.

Keiner kommt auf die asoziale Tour in den Himmel. Wer nur auf sich und sein eigenes Seelenheil bedacht ist, lebt a-sozial. Das ist im Himmel wie auf Erden unmöglich. Gott selbst ist nicht a-sozial; er ist nicht ein einsames, sich selbst genügendes Wesen. Der dreifaltige Gott ist in sich „sozial“, eine Gemeinschaft, ein ewiger Austausch der Liebe. Nach dem Modell Gottes ist auch der Mensch auf Beziehung, Austausch, Teilhabe und Liebe hin angelegt. Wir sind füreinander verantwortlich.

Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.                       Gen 1,27

Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?                                                                                                                     Gen 4,9

Wir müssen miteinander selig werden. Wir müssen miteinander zu Gott gelangen, miteinander vor ihn hintreten. Wir sollen nicht einer ohne den anderen dem guten Gott begegnen. Was würde er wohl sagen, wenn wir einer ohne den anderen zurückkehrten?                                                                                                                                                                       Charles Péguy (1873-1914, französischer Dichter)

Glauben – wie geht das?

Wer glaubt, sucht nach einer persönlichen Bindung an Gott und ist bereit, Gott alles zu glauben, was er von sich zeigt (offenbart).

Am Anfang des Glaubens steht oft eine Erschütterung oder eine Unruhe. Der Mensch spürt, dass die sichtbare Welt und der normale Lauf der Dinge nicht alles sein können. Er fühlt sich von einem Geheimnis angerührt. Er geht den Spuren nach, die ihn auf die Existenz Gottes verweisen, und findet nach und nach das Vertrauen, Gott anzusprechen und sich schließlich in Freiheit an ihn zu binden. Im Johannesevangelium heißt es: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18) Deshalb müssen wir Jesus, dem Sohn Gottes, glauben, wenn wir wissen wollen, was Gott uns mitteilen möchte. Glauben heißt darum Jesus zustimmen und das ganze Leben auf seine Karte setzen.

Woran wir glauben, ist wichtig, aber noch wichtiger ist, wem wir glauben.                                Benedikt XVI, 28.5.2006

Glaube – was ist das?

Glaube ist Wissen und Vertrauen. Er hat sieben Merkmale:

-Der Glaube ist ein reines Geschenk Gottes, das wir erhalten, wenn wir innig darum bitten   -Der Glaube ist die übernatürliche Kraft, die wir notwendig brauchen, um unser Heil zu erlangen                                                                                                                                                                         -Der Glaube erfordert den freien Willen und den klaren Verstand des Menschen, wenn er sich auf die göttliche Einladung einlässt                                                                                                                    -Der Glaube ist absolut gewiss, weil Jesus dafür bürgt                                                                              -Der Glaube ist unvollständig, solange er nicht in der Liebe wirksam wird                                       -Der Glaube wächst, wenn wir immer besser auf Gottes Wort hören und durch das Gebet in lebendigem Austausch mit ihm stehen                                                                                                             -Der Glaube gibt uns jetzt schon einen Vorgeschmack auf die Freude des Himmels.

Viele sagen, glauben sei ihnen zu wenig, sie wollten wissen. Das Wort „glauben“ hat aber zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen: Wenn ein Fallschirmspringer den Angestellten am Flughafen fragt: „Ist der Fallschirm sicher gepackt?“ und der antwortet beiläufig: „Och, ich glaube ja“ dann wird ihm das nicht reichen; das möchte er schon wissen. Wenn er aber einen Freund gebeten hat, den Fallschirm zu packen, dann wird der ihm auf die gleiche Frage antworten: „Ja, ich habe das persönlich gemacht. Du kannst mir vertrauen!“ Und darauf wird der Fallschirmspringer antworten: „Ja, das glaube ich dir“. Dieser Glaube ist viel mehr als Wissen, er bedeutet Gewissheit. Und das ist der Glaube, der Abraham ins Gelobte Land ziehen ließ, das ist der Glaube, der die >Märtyrer bis zum Tod ausharren ließ, das ist der Glaube, der noch heute Christen in Verfolgung aufrecht erhält. Ein Glaube, der den ganzen Menschen erfasst.

Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.                                                                                                                                                                                   Mk 17,20

Glauben heißt: Die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.                                  Karl Rahner (1904-1984, deutscher Theologe)

Glaube ist: Die Substanz dessen, was man erhofft; der Beweis von Dingen, die man nicht sieht.                                                                                                                                                                                   Hebr 11,1 (Neuübersetzung von Papst Benedikt XVI in Spe Salvi 7)

Credo, ut intelligam – Ich glaube, um zu verstehen.                                                                                Hl. Anselm von Canterbury (1033/34-1109, Kirchenlehrer, bedeutender Theologe des Mittelalters)

Ich würde nicht glauben, wenn ich nicht einsehen würde, dass es vernünftig ist zu glauben.                                                                                                                                                                              Thomas von Aquin

Glauben ist seinem Wesen nach Annahme einer Wahrheit, die unsere Vernunft nicht erreichen kann; einfach und unbedingt auf Zeugnis hin.                                                                        Sel. John Henry Newman (1801-1890, Konvertit, später Kardinal der Katholischen Kirche, englischer Philosoph und Theologe)

An einen Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist. An einen Gott glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat.                                 Ludwig Wittgenstein (1889-1951, österreichischer Philosoph)